Alles Müll, oder?

Um das mal gleich klarzustellen: ich bin für Umweltschutz. Ich mag Bäume und Flüsse und saubere Straßen und all das. Mir fällt nicht "versehentlich" mal Kaugummipapier aus der Hosentasche, ich lasse das Wasser beim Zähneputzen nicht laufen und ich schmeiße Braunglas nicht mit Grünglas in den Weißglasbehälter. Soll heißen ich hielt mich für einen ordentlichen, umweltschonenden Menschen, bevor...naja, bevor ich nach Leuven kam. Eine Stadt die sich scheinbar Umweltschutz auf die Fahnen geshrieben hat und bei der Umsetzung zu radikalen Maßnahmen greift.

Eigentlich sollte man meinen, dass eine Stadt, in der man drei Straßenzüge erfolglos nach einem öffentlichen Mülleimer für seinen Eisbecher absuchen kann, im Müll ersticken muss. Tatsache ist aber, dass Leuven unglaublich sauber ist. Was vielleicht daran liegt, dass jeder Verstoß gegen die hiesige Müllordnung mit hohen Strafen geahndet wird.

Und da Unwissenheit bekanntlich nicht vor Strafe schützt musste ich mich wohl oder übel mit der Mülltrennung hier vertraut machen. Freundlich und hilfsbereit wie die Belgier sind haben alle ausländischen Studenten gleich beim Einschreiben eine DinA4 Seite mit Anweisungen zur Mülltrennung bekommen. Die ist schön bunt. Wirklich. Ich sehe da 12 verschiedene Farben und ja, jede davon steht für eine andere Art von Müll. ZWÖLF!! Die spinnen doch. Relevant sind für mich nur 5 davon, ich bleibe nicht lang genug um Sperrmüll zu produzieren.

Also, ich spare mir die Details und komme gleich zu dem Punkt der mich wirklich stört (außer dass ich die Logik des Systems leider noch vermisse, denn was haben Metal und Plastikflaschen denn bitte gemeinsam?): Mich stört nicht der Müll, sondern die Tüten. Genauer gesagt deren Preise. Die nette Müllabfuhr sammelt nämlich nur Tüten ein, die das Stadtlogo haben, also nix da mit  dt. Standardmüllsäcken in der 100er Packung. Hier kauft man immer nur 10 Stück auf einmal, was nicht daran liegt, das man nur so wenige bräuchte, sondern eher daran, dass sich kein Student, und Leuven ist eben Studentenstadt, mehr leisten könnte. Wer rechnet denn auch damit, 20 Euro für Müllsäcke zu bezahlen. Nein, kein Tippfehler, sorry. Ich hab doch erwähnt, dass die hier spinnen, oder? Und wehe man will sparen und schmuggelt etwas Müll in eine der billigeren Tüten (5 Euro für 10), da können die ganz schön pampig werden. Ich will es gar nicht ausprobieren, wenn Fahradfahren in die verkehrte Richtung in einer Einbahnstraße (wer mal hier war weiß es gibt hier fast ausschließlich Einbahnstraßen) schon 150 Euro Strafe kostet will ich das mit der falschen Mülltrennung lieber nicht probieren. Und deswegen sind die Straßen hier auch so sauber.

Ich lebe quasi in einer Mülldiktatur. 

10.10.07 12:08

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